Artikel über Verschlüsselung
Quelle: http://www.nickles.de/stories/stories.php3?category=26&story=0004&story_id=1
PGP
Pretty Good Privacy (PGP) bietet eine Verschlüsselung die im Gegensatz zu digitalen Ids
nicht nur kostenlos ist, sondern auch von Mailern verwendet werden kann die keine
'eingebaute' Unterstützung für Digitale Ids bieten. Im Kern handelt es sich bei PGP und
den digitalen Ids von VeriSign um das selbe Verfahren - der Unterschied besteht darin, das
bei PGP der Schlüssel vom Anwender erzeugt werden kann.
PGP hat darüber hinaus auch einen Sicherheitsmehrwert:
Wirklich 'sichere' Verschlüsselung bietet ein 40 Bit Schlüssel (wie der von VeriSign)
nicht. Bei einem Versuch der RSA wurde ein solcher Schlüssel unter Verwendung von 5000
Computern in 13 Tagen geknackt. Mit PGP sieht die Sache schon anders aus: Hier werden
Schlüssel mit 128, 512 und 1024 Bit angeboten. (Mit jedem zusätzlichen Bit verdoppelt
sich die Zeit, die erforderlich ist, um den Schlüssel zu knacken.)
PGP ist als reines Kommandozeilenprogramm entstanden, damit es auf möglichst vielen
Betriebsystemen zum Einsatz kommen kann, und diese Herkunft merkt man dem Programm auch
an. Mittlerweile existiert allerdings eine Reihe von grafischen Oberflächen für PGP, die
den den Umgang damit erleichtern sollen. Nachdem der Export von PGP amerikanischen
Exportbeschränkungen unterliegt, wird es per 'Trick' exportiert: Der Sourcecode zum
Programm wurde in Buchform veröffentlicht und damit exportfähig gemacht - in Europa
scannten Freiwillige dieses Buch wieder ein und so ist die Software nun auch hier
verfügbar.
Einen Nachteil hat die Sache aber auch: Nachdem es sich bei PGP um ein völlig externes
Programm handelt, existiert keine wirklich gute und transparente Einbindung in Mailer -
die Mail muß also zunächst von Hand verschlüsselt, dann versendet und beim Empfänger
von Hand wieder entschlüsselt werden.
Abgesehen von der ursprünglich kostenlosen Version existieren mitlerweile auch
kommerzielle Weiterentwicklungen.
So funktioniert Public Key Verschlüsselung
Bekannte Verschlüsselungsverfahren verwenden ein geheimes Schlüsselwort um einen Text
unlesbar zu machen und den selben Schlüssel um den Quelltext wieder herzustellen.
Derartige Verfahren werden 'symetrisch' genannt. Es entstehen die aus jedem Agentenfilm
bekannten Probleme: Jeder, der den geheimen Schlüssel kennt, kann eine Nachricht
entschlüsseln. Es ist also von grosser Bedeutung, die Schlüsselübergabe abzusichern.
Für einen Geheimdienst mit einer ausgefeilten Logistik von Spionen und Boten mag dies
praktikabel sein - Für normalsterbliche Emailbenutzer mit einer Vielzahl von
Kommunikationspartnern ist es das nicht.
Die Lösung des Problems besteht in sogenannten 'asymetrischen'
Verschlüsselungsverfahren. Hierbei werden für die Ver- und Entschlüsselung
unterschiedliche Schlüssel verwendet. Es existiert ein öffentlicher ('public') und ein
geheimer ('private') Schlüssel. Eine Nachricht, die mit dem einen Schlüssel
verschlüsselt wurde, läßt sich ausschließlich mit dem anderen wieder entschlüsseln.
Was ist dadurch gewonnen? Hier ein Beispiel: 'A' möchte 'B' einen geheimen Brief
schicken. Beide können sich aber nur Postkarten zusenden. Andere Kommunikationskanäle
(Telefon/Fax/Treffen in Cafés) sind nicht verfügbar. 'A' erzeugt sich nun ein Paar aus
Schlüsseln. Einer davon wird gemerkt, der andere wird per Postkarte an 'B' geschickt.
'B'macht das gleiche. (Natürlich mit einem anderen Schlüsselpaar). 'A' besitzt nun den
öffentlichen Schlüssel von 'B' und verwendet diesen um die geheime Nachricht zu
verschlüsseln. Nachdem der Schlüssel die Nachricht nur ver- aber nicht entschlüsseln
kann, kann nun niemand außer 'B' den Brief entschlüsseln - denn der private Schlüssel
hat 'B' ja nie verlassen.
'B' kann antworten, indem er seinerseits den öffentlichen Schlüssel von 'A' verwendet um
eine Nachricht zu verschlüsseln. Bleibt noch das Problem des vorspielens falscher
Tatsachen: Jede andere Person die den öffentlichen Schlüssel von 'B' hat, kann mit
dessen Hilfe eine Nachricht verschlüsseln und in dieser vorgeben eine dritte Person zu
sein. Dagegen hilft ein einfacher Trick: Die Nachricht wird zweimal verschlüsselt. Im
Fall von 'A' und 'B' würde 'A' die Nachricht zunächst mit seinem privaten und direkt
danach mit 'B's öffentlichen Schlüssel verschlüsseln. 'B' müsste dann die Nachricht
zunächst mit dem privaten Schlüssel und dann mit 'A's öffentlichen Schlüssel
entschlüsseln: Auf diese Weise ist nicht nur sichergestellt das die Nachricht von
Außenstehenden gelesen werden kann, sondern der Absender ist ebenfalls eindeutig
verifizierbar.
So sicher sind Signaturen und Verschlüsselungen
Aufgrund von Exportgesetzen der USA dürfen von dort nur Produkte mit einer maximalen
Schlüssellänge von 40 Bit exportiert werden. Nachdem es sich sowohl bei Netscape als
auch bei Outlook um amerikanische Produkte handelt, sind sie in Deutschland nur mit dieser
eingeschränkten Sicherheit verfügbar. Wie sicher sind nun derartige Schlüssel?
Die Sicherheit eines Verfahrens wird im wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt. Zum einen
von der Sicherheit des Verfahrens selbst, zum anderen von der verfügbaren
Schlüssellänge. Das bei sicherer eMail verwendete Public Key Verfahren gilt im
allgemeinen als sicher. Es gibt keine bekannten Schwachstellen, die ausgenutzt werden
könnten.
Ein 40 Bit langer Schlüssel bietet 1.099.511.627.776 Möglichkeiten. Da im Schnitt die
Hälfte aller Schlüssel ausprobiert werden muß um den richtigen zu finden, ergeben sich
549.755.813.888 also ca 550 Milliarden Versuche. Ein schneller PC kann nun einige tausend
Versuche pro Minute durchführen. Bei 5000 Versuchen pro Minute dauert ein Angriff mit
einem PC also ca. 209 Jahre. Ein findiger Mitarbeiter einer großen Firma, der am
Wochenende Zugriff auf viele Workstations hat, kann diese Zeit allerdings drastisch
verkürzen. Angenommen eine Workstation sei 10 mal schneller als ein PC und die Firma hat
500 dieser Workstations im Einsatz, so ergibt sich im Mittel eine Zeit von 15 Tagen.
Selbst im ungünstigsten Fall (der gesuchte Schlüssel ist der letzte probierte) ist ein
Text in einem Monat entschlüsselt. Kommt hingegen ein Schlüssel mit 128 Bit Länge zum
Einsatz (z.B. durch Verwendung von PGP) so benötigt der 'findige' Mitarbeiter mehr als 10
hoch 25 Jahre (1 mit 25 Nullen) für seine Versuche.
Mit anderen Worten: Für 'normale' Mails sind 40 Bit Schlüssel momentan wohl sicher genug
- für sensitive Daten hingegen ist PGP mit seinen langen Schlüsseln das bessere
Verfahren.